Kündigungsschutz für leitende Angestellte
Teil 1
Wenn sich Ihr Unternehmen von Ihnen trennen will, stellt
sich Ihnen als Führungskraft die Frage, was für
Sie besser ist:
- Sollen Sie so lange wie möglich bleiben und versuchen,
die Krise auszusitzen?
- Oder sollen Sie selbst den Absprung zu suchen, bevor
man Ihnen die Tür weist?
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle einige Überlegungen
und Hinweise an die Hand geben, die Ihnen helfen werden, die
richtige Entscheidung zu treffen:
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Um es vorwegzunehmen: Die Entscheidung, den Arbeitsplatz
behalten zu wollen, wird sich nur in Ausnahmefällen als die
richtige erweisen. Wenn Sie das Gefühl einer langsamen Spirale
von Unbehagen und Angst mögen und sich nicht darum scheren,
was Ihre Kollegen denken, dann bleiben Sie - anderenfalls sehen
Sie zu, dass Sie das Unternehmen zu den bestmöglichen Bedingungen
verlassen!
Sofern Sie sich für das Bleiben entscheiden, sollten Sie sich
"warm anziehen" und sich auf die Rolle vorbereiten, die
Sie in nächster Zeit in Ihrem Unternehmen spielen werden und
für die sich im Englischen ein Begriff geprägt hat: "Dead
Man Walking". Überlegen Sie sich gut, ob es Zweck
hat, die Krise auszusitzen und solange zu bleiben, wie es nur geht.
Die Erfahrung zeigt, dass das Festhalten nur den "Leidensweg"
verlängert, im Ergebnis aber keinen Vorteil bringt. Insbesondere
wird Ihre Position, um mit dem Unternehmen über günstige
Beendigungsbedingungen zu verhandeln, nicht dadurch besser, dass
Sie versuchen, die Krise auszusitzen.
- Vertrauen Sie auch nicht auf die Loyalität Ihrer Kollegen.
Die Ungewissheit über Ihr Schicksal als Kollege oder Vorgesetzter
wird dazu führen, dass das gesamte Büro langsam aber
sicher von einer gemeinschaftlichen Verlegenheit und von Unbehagen
erfasst wird. Typische Reaktion ist eine Phase der Lähmung,
während der alle darauf warten, dass etwas passiert, dass
die Karten neu gemischt werden.
- Ihre Kollegen und untergeordneten Mitarbeiter mögen zwar
Mitgefühl empfinden für den "Verurteilten auf seinem
Weg zum Galgen" - aber der Selbsterhaltungstrieb ist stärker.
Bestenfalls werden sich Ihre Kollegen bedeckt halten, schlimmstenfalls
erwachsen Ihnen hier Gegner oder Konkurrenten.
- Sie werden erleben, wie ehemals treue Adjutanten Ihnen gegenüber
Anspruch auf Neutralität erheben, während sie heimlich
anderweitig jemandem ihre Loyalität versichern.
- Sie können nur noch zusehen, wie Ihre Bedeutung schwindet
und Ihre Position sich gewissermaßen langsam auflöst.
Nicht selten erfolgt die Demontage vor den Augen der gesamten
Belegschaft oder gar der Öffentlichkeit - mit katastrophalen
Folgen für Ihre Reputation als Führungskraft.
Überlegen Sie gut, ob Sie sich das antun wollen. Gehen
Sie lieber, bevor Sie - und Ihr Unternehmen - in einer hässlichen
Abwärtsspirale landen!
Falls Sie Ihr Arbeitsverhältnis - aus welchen Gründen
auch immer - fortsetzen zu wollen: Zunächst müssen
Sie prüfen, ob Sie die Gründe, die die Trennungsabsicht
bedingen, mit Ihrem Arbeitgeber klären können, etwa wenn
Sie von einer Fehleinschätzung Ihres Arbeitgebers in Bezug
auf Ihre Person oder die Ausgestaltung Ihres Arbeitsplatzes ausgehen
können. Unter Umständen können Sie auch andere für
Sie in Betracht kommende freie Arbeitsplätze in Ihrem Unternehmen
benennen. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, mit dem
Arbeitgeber zu kooperieren, um möglicherweise einvernehmlich
eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses zu erreichen
- notfalls auch zu geänderten Bedingungen oder in einem anderen
Betrieb des Arbeitgebers.
Ist dagegen klar, dass Ihr Arbeitgeber unter keinen Umständen
bereit sein wird, Sie noch länger zu beschäftigen und
eine eventuell bereits ausgesprochene Kündigung rückgängig
zu machen, dürften klärende Gespräche in dieser Art
wenig sinnvoll sein. Ich wiederhole daher noch einmal meinen Rat:
- Gehen Sie, bevor es für Sie unerträglich wird.
- Seien Sie derjenige, der diese Entscheidung trifft, und vermeiden
Sie dadurch, dass andere über Sie entscheiden.
- Und insbesondere: Verhandeln Sie die Bedingungen Ihres Ausscheidens
zu einem Zeitpunkt, zu dem Ihr Unternehmen noch zu einem größtmöglichen
Entgegenkommen bereit ist.
Wenn Ihre Entscheidung feststeht und Sie beschlossen haben, das
Unternehmen zu verlassen, geht es nun darum, in der bevorstehenden
Auseinandersetzung mit Ihrem Arbeitgeber wirklich das bestmögliche
Ergebnis erzielen und möglichst viel herauszuholen.
Was sind die Ihnen zu
Gebote stehenden Möglichkeiten, in der Auseinandersetzung mit
Ihrem Arbeitgeber wirklich das bestmögliche Ergebnis erzielen?
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